Machine Learning entfernt gezielt die Gewichtungen neuronaler Netze, die wenig zum Ergebnis beitragen. Der Vortrag liest diese Methode nicht nur als technische Optimierung, sondern als Modell einer Gegenwart, in der Welt, Daten und Modelle gleichermaßen „geschädigt” und neu geformt werden. Ausgehend von diesem Algorithmus verfolgt er die Entwicklung von der Ära der Datenrohstoffe über die kabellose Mediengeschichte der 1990er bis zu den großen Sprachmodellen und fragt nach der Rolle von Infrastruktur, Plattformen und politischer Verwaltung. Gegen die Ratlosigkeit angesichts eines „Nightmare on LLM Street” plädiert der Vortrag für eine Verbindung von Kunst und Technik, die Produktionsmittel zurückgewinnt: durch Open Source, technologische Vielfalt und Gemeingüter statt Kommodifizierung.
Prof. Dr. Paul Feigelfeld ist Kultur- und Medienwissenschaftler. Er ist Professor für Digitalität und kulturelle Vermittlung und Teil des Instituts für Open Arts an der Universität Mozarteum Salzburg, sowie Co-Direktor des Data Arts Forum. Von 2021-24 war er Professor für Wissenskulturen im Digitalen Zeitalter am Institut für Designforschung der HBK Braunschweig und bis 2025 Gastprofessor am Lehrstuhl für Medientheorien der Humboldt-Universität zu Berlin.
Er studierte Kulturwissenschaft und Informatik an der Humboldt-Universität zu Berlin und war Assistent von Friedrich Kittler und anschließend wissenschaftlicher Mitarbeiter von Wolfgang Ernst. Es folgte eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Koordinator des Digital Cultures Research Lab am Centre for Digital Cultures der Leuphana Universität Lüneburg und zahlreiche Lehrtätigkeiten, u.a. an der FHNW und Universität Basel, Universität Wien, Universität für Angewandte Kunst Wien, Strelka Institut Moskau.
Seine Arbeit erforscht transkulturelle und transmediale Ansätze zur Medien- und Wissensgeschichte, kritische Perspektiven auf Technologien und deren Schnittstellen mit Kunst und Design. Seine Magisterarbeit und Dissertation behandeln den Wissenstransfer zwischen China und dem Westen.
Gastvortrag, 21. 10. 2026, 13 Uhr