Beginn 10:30h
Gastvortrag von Florentina Hausknotz zum Thema Stadt Stadt? ZeitRaum und Form der Taktik Subversive Kreativität
Stadt ist Konsum. Stadt ist Krankheit und Ausschweifung. Stadt ist der überdeterminierte Ort schlechthin. Stadt ist ihre Bestimmung und mehr. Der Begriff Stadt, soll argumentiert werden, ist ein ideologisch aufgeladener, er hält zu jedem Moment einem bestimmten politischen Projekt die Treue, das ihm seine Grenzen und Ausrichtung geben kann. Die Stadt in ihrer Funktion als Laboratorium für Welt, erlaubt es konkret allgemeine Themen, nicht nur im Denken sondern auch im Angreifen von Material, streitbar zu machen.
In Drei Arten möchte sich dieser Vortrag auf eine Reise von der Sicherheit des Denkens hin zu Orten der Auflösung, Entwirrung und Befreiung machen. Die »Verunsicherungswissenschaft« Philosophie will dabei mit dem aktuellen Geschehen Verbindungen eingehen, sich vom Material bedrängen lassen und ihrerseits formend auf versteinerte Strukturen einwirken. Drei Fragen sollen gestellt werden: (1) Wie wurde der Begriff Stadt verwendet? (2) Undefinierte Ensembles: Wie frei kann gelebt werden? (3) Stimmen aus dem OFF: Wie kann Einmischung abseits bürgerlicher Strukturen passieren?
Dr. Florentina Hausknotz lebt und arbeitet als Autorin in Wien. Ihr Fach ist die Philosophie, ihre Interessen finden sich an den Übergängen des philosophischen Denkens zur Kunst und zum Leben. Allgemein gesprochen verfolgt Florentina Hausknotz die Suche nach einem Denken der Freiheit, das sich heraus nimmt beständig an den Grenzen des Erlaubten zu tänzeln. Aktuelles Buch: „Stadt denken. Über die Praxis der Freiheit im urbanen Zeitalter.“ (Transcript: 2011)
Beginn 10:30h
„Überlegungen zum Begriff des ‚residue’ in der südafrikanischen Gegenwartskunst“ Claudia Marion Stemberger geht in ihrem Gastvortrag der Frage nach, wie KünstlerInnen und KuratorInnen in Südafrika Performancekunst im Ausstellungsdisplay repräsentieren. Ausgehend von aktuellen Diskursen zur Dokumentation von Performancekunst, soll der im südafrikanischen Kunstfeld verwendete Begriff des „residue“ anhand von Fallstudien aus der künstlerischen und kuratorischen Praxis vorgestellt werden.
Claudia Marion Stemberger arbeitet als freie Autorin und Kuratorin. Studienabschlüsse in Kunstgeschichte, Kulturmanagement, und Humanmedizin. Forschungsschwerpunkte: Zufall und Kontingenz in Kunstpraxis und -diskurs, Curating Performance, Gegenwartskunst in Südafrika.
FLUCHTVERSUCHE
Christian Kobald zum Thema Kunst im öffentlichen Raum
Beginn 10:00h
»Richtig gutes Spielzeug ist alles, was das Kind aufgreift, alles, was sich anbietet. Das andere, der Dreck, den findet man dann, wenn am Laden ›Kinderspielzeug‹ drübersteht. Da kann man einen Sack bunten Scheiß kaufen. […] beim Kind ist es so: Es gibt den einen Teddy und ansonsten die Wildnis, wie Aschenbecher, Vasen, Stecknadeln.« (B – Gespräche mit Martin Kippenberger, 1994)
Eine schnelle Lektüre von drei Texten, eine – was ist das Gegenteil von »nostalgisch«? – Erinnerung daran, was »Kunst im öffentlichen Raum« einmal war, der Versuch einer Schematisierung mit Blick auf eine erweiterte Praxis unterbrochen von zwei Exkursen und einige Ratschläge.
3 Texte vorab als Pflichtlektüre:
Lucy Lippard, Escape Attempts (1996)
Bruce McLean, King for a Day (1972)
Robert Smithson, Fahrt zu den Monumenten von Passaic (1967)
Christian Kobald (*1969) Kurator, Redakteur von Spike Art Quarterly und leitet gemeinsam mit Severin Dünser COCO Kunstverein. Studium der Philosophie (Universität Wien) und Kunst-, Kultur- u. Geistesgeschichte (Hochschule f. angewandte Kunst). Er ist Mitglied der Jury Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich.
PAST EXHIBITIONS
Severin Dünser übers Kuratieren und Ausstellungsmachen
Beginn 10:30h
Severin Dünser arbeitet als Kurator für zeitgenössische Kunst im 21er Haus in Wien, wo er 2009 bis 2012 gemeinsam mit Christian Kobald den Ausstellungsraum COCO betrieb. Von 2002 bis 2005 leitete er den Projektraum der Galerie Krinzinger (Krinzinger Projekte). Daneben realisierte er zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, u. a.: »Moscow:Paradise«, Galerie der Stadt Wels (gem. mit Constantin Bokhorov), 2003; »Tirol Transfer«, Austrian Cultural Forum, Warschau, 2004; »Revenge on Realism – the ficticious moment in current polish art«, Krinzinger Projekte, Wien, 2005; »Exportable Goods – Danish Art Now« (gem. mit Jesper Jørgensen), Krinzinger Projekte, Wien, 2006; »Salon de la Kakanie«, Central House of Artists, Moskau, 2007; »The Lab / Das Labor«, Bauernmarkt, Wien / Czarna Galerie, Warschau, 2007; »Right Here, Right Now«, Fotohof Salzburg, 2009/2010; »Solace« (gem. mit Christian Kobald, Emanuel Layr und Rita Vitorelli), Austrian Cultural Forum, New York, 2010; »Laokoon, Laokoon II«, COCO, Wien, 2010/2011; Franz Amann / Misha Stroj, Forum Stadtpark, Graz, 2011; »… sein Dasein verlässt und seine Gestalt der Erinnerung übergibt.« (gem. mit Christian Kobald), Im Rahmen von curated_by Vienna 2011, Galerie Emanuel Layr; »Haltung und Ausdruck«, COCO, Wien, 2012; »Wir treffen uns am Abend« (gem. mit Christian Kobald), Galerie Kamm / Rosa, Berlin, 2012; »Fotos« (gem. mit Axel Köhne), 21er Haus, Wien, 2013; »Grundfrage« (gem. mit Christian Kobald), CRAC Alsace, Altkirch, 2013.
Montag, 6. Mai, Beginn 14h / Studio 2
Christoph Meier spielt konzeptuell und virtuos mit Formen, Materialien und Diskursen, was als Architekt und bildender Künstler (ausgebildet bei Heimo Zobernig), Mitherausgeber des Magazins BlackPages und Mitglied einer (lauten) Künstlerband nicht weiter verwundert.
Für seine Installationen und skulpturalen Anordnungen betreibt Meier kontextuelle Materialstudien und verwendet alltägliche Gegenstände, gefundene Objekte oder auch Artefakte von befreundeten KünstlerInnen, deren Einbindung sich aus dem jeweiligen Zusammenhang ergibt und sich in der Konfrontation mit weiteren Elementen in veränderte Bedeutungen und Motive übersetzen lässt. Bei aller zu erwartender Strenge ist seine Arbeit durchaus offen für assoziative, teils humorvolle Verweise und medienreflexive bildhafte Setzungen. (Sandro Droschl)
Christoph Meier, geboren 1980, lebt und arbeitet in Wien. Er studierte Architektur an der Technischen Universität Wien, Bildende Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Wien bei Heimo Zobernig und an der Glasgow School of Art. Seit 2009 ist er Mitherausgeber des KünstlerInnen-Fanzines Black Pages. Seit 2003 Ausstellungen u.a. in der Secession Wien, Kiosk Ghent, 21er-Haus Wien, Kunsthaus Graz, Nam June Paik Art Center Seoul oder dem Kunstverein Braunschweig.