Klassenprofil

Die folgenden Bereiche sind elementar für Transmediale Kunst:


1. Transdisziplinarität

Wir sprechen von Transdisziplinarität, sobald ehemals disziplinferne Felder wie Kunst und Wissenschaft neue Kooperationsarten experimentell erforschen wollen. Das bedeutet die Ausweitung von interdisziplinären Problemlösungsstrategien innerhalb der Wissenschaften oder der Künste im Versuch, künstlerisches mit wissenschaftlichem Arbeiten zu verbinden.

Es gibt sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten zwischen künstlerischem und wissenschaftlichem Arbeiten. Diese lassen sich zum Beispiel an Begriffen wie Kreativität, Zielorientierung, Recherche oder an zu überprüfenden Dichotomien wie rational/irrational, Kopfarbeit/Baucharbeit oder Genie/Handarbeit beobachten.

Kognition, Ästhetik, Kultur und Medien, Wahrnehmen und Denken, Kommunizieren und Handeln, Gestalten und Konstruieren sind in diesem Zusammenhang thematische Konnotationen.

Transmediale Kunst arbeitet daher mit chemischen und physikalischen Systemen (Farbe und Licht), Fotografie, Film, Video, Zahlensystemen, sprachlichen Systemen, Digital Cinema, Schrift, Sprache, Farbdiagrammen, Zeit- und Raumkonzeptionen, Wahrnehmungsmuster; sie arbeitet mit mathematischen, physikalischen, psychologischen, neurologischen und anderen (natur)wissenschaftlichen Modellen, um die formale Umsetzungen ihrer Ideen zu unterstützen, zu bereichern und experimentell einzusetzen.

Dies gilt sowohl für die "äußere", also ästhetisch-formale Erscheinungsform, viel mehr aber noch für die konstruierte, konzipierte, programmierte und prozessierte Dynamik der "inneren" Form.

Transmediale Kunst dehnt sich ebenso auf das gesellschaftliche Feld aus. Im künstlerischen Kontext ist seit langem ein erneut ausgeprägtes Interesse an sozialpolitischen und soziokulturellen Themen zu beobachten. Die Studienrichtung konturiert sich auch durch die Auseinandersetzung mit diesem Umfeld. Das betrifft vor allem das Interesse an den Interferenzen und Interaktionen von Körper-, Raum- und Zeitkonzepten.


2. Medien der Kunst

Der Begriff Medienkunst stellt ein Paradoxon dar, das gleichzeitig sein grundlegendes Problem repräsentiert: die Frage, die sich dabei stellt, ist die nach der Konstituiertheit von Kunst überhaupt: Kann denn Kunst überhaupt NICHT MEDIAL bedingt sein?

Wir gehen davon aus, dass alles, womit etwas ausgedrückt, gestaltet, formuliert, kommuniziert wird, Medium ist. Jegliche Form von Kunst ist daher auch medial bedingt. Dennoch ist eine Unterscheidung von Medienkunst und Transmediale Kunst zu treffen:

Unter dem Begriff "Medien" werden alltagssprachlich vor allem die elektronischen Massenmedien gemeint: Fernsehen, Video, digitale Massenmedien, Computer, Internet. Medienkunst ist daher aktuell als jene Kunst zu verstehen, die sich dieser elektronisch-digitalen Technologien bedient.

Dabei lässt sich die spezifische Medialität digitaler Technologien anhand einer Anzahl von Eigenschaften beschreiben, die sie von anderen medialen Konzepten unterscheiden: ihre vermeintliche Immaterialität "materialisiert" sich in binärer Codierung und Digitalität, in Informationseinheiten als ihre Elemente, in der vermeintlichen Nicht-Analogität, in Vernetztheit, Konvergenz und Fusionierung sowie in ihrer Prozessualität.

Medienkunst meint aber nicht nur jene Kunst, die sich der elektronischen Technologien zu ihrer Umsetzung bedient, sondern auch jene Kunst, die sich die Erforschung dieser Technologien mit ihren sozialen und individualen kulturellen Wirkungen zum Ziel macht.

Das Verhältnis von Medium und Form unterliegt im Bereich der digitalen Künste einer besonderen Aktualität, weil hier der Begriff "Medium" eine das Selbstverständnis konstituierende Rolle spielt.


3. Kunst als prozessuale Form

Die prozessuale Kondition, unter der Kunst heute passiert. lässt eine objektive, "externe" Beobachterhaltung seriöserweise nicht mehr zu.

Das Interesse von KünstlerInnen an der Beobachtung gesellschaftlicher Entwicklungen richtet sich daher auch auf eine spezifische Sensibilität für "neue" Formen und Medien, die sich in der Art und Weise der künstlerischen Strategien, praktischen Umsetzungen und selbstreflexiven Produktionsweisen manifestieren.

Die formale Umsetzung künstlerischer Ideen ist eine wesentliche Voraussetzung für ihre Beschreibung als Kunst, die diese dadurch von anderen Visualisierungsstrategien und Aktualisierungen unterscheidet.

Dies gilt sowohl für die "äußere", also ästhetisch-formale Erscheinungsform, viel mehr aber noch für die konstruierte, konzipierte, programmierte und prozessierte Dynamik der "inneren" Form.

Transmediale Kunst beschäftigt sich daher mit der Selbstreferenz und Transformation der Medien, Materialien und Methoden und dem daraus resultierenden komplexen Beziehungsgeflecht von Medien und Wahrnehmung.


4. Kunst als Handlung, Kunst als Kommunikation

Kunstwerke sind auch als soziale Handlungs- und Kommunikationsleistungen bzw. als kulturelle Medienangebote zu verstehen. Insofern die elektronisch-digitalen Technologien auch als technische Dispositive für gesellschaftliche Kommunikation gesehen werden müssen, besteht hier eine spezifische strukturelle Kopplung zwischen Kunst und Medien.

Dem Handlungsaspekt sowie dem kommunikativen Aspekt von Kunst wird eine zentrale Stelle eingeräumt. Darunter fallen performative Ansätze, massenmediale Strategien, Sprachspiele und alle zeitbasierten Konzepte.

Dem experimentellen Vorgehen wird darauf aufbauend größtmöglicher Raum gegeben. Ziel der Lehre ist die individuelle, kontextuelle und inhaltliche Arbeit sowie die Kenntnis künstlerischer Diskurse und Methoden vergangener sowie gegenwärtiger künstlerischer Praxis. Ein Fokus der Lehre liegt daher auf projektorientiertem Arbeiten.