Upward, behind the onstreaming it mooned
Sebastian Koeck , 2021

Die Installation Upward, behind the onstreaming it mooned kombiniert eine Vielzahl von Medien, die von Skulptur, installativen Ready-mades, Drucken und Audioarbeiten reichen. Das Setting ist lose inspiriert vom Zeitalter des Segels, der Ära, in der Segelschiffe die Spitze des technologischen Fortschritts verkörperten und über drei Jahrhunderte lang die Welt beherrschten. Neben meiner jugendlichen Faszination für maritime Geschichten, Abenteuer und Entdeckungen, bilden historische Implikationen wie Kolonialismus, technologischer Fortschritt und Globalisierung das thematischen Fundament der Ausstellung. Die Elemente der Installation wirken vertraut, sind aber nie explizit. Sie fungieren als symbolische, reale und imaginäre Objekte zugleich und sind Repräsentationen einer phantastischen Geschichtlichkeit - Schatten der realen Welt. Sie gleichen einem Eingang; Oberflächen, die als Requisiten fungieren; der Idee von Antiquitäten, eingeschriebenem Alter, innen hohl; die Vorstellung fabrizierter Bedeutung. Wenn Einschusslöcher so weit abstrahiert werden, dass sie Himmelskarten ähneln, könnte ein generiertes Gesicht, von Träumen geschriebene Worte, sprechen.   

Der Titel der Installation ist eine Referenz auf die Kurzgeschichte "Tlön, Uqbar, Orbis Tertius" von Jorge Luis Borges. Es ist die Erzählung von Borges selbst, der einen Enzyklopädieeintrag über ein vergessenes Land, irgendwo in Anatolien, namens Uqbar entdeckt. Als er mehr über diese vage beschriebene Zivilisation herausfindet, erfährt er, dass sich die literarischen Werke der Uqbarianer ausschließlich an die fiktive Welt von Tlön richten, deren Sprache ohne Substantive auskommt. "Der Mond ging über dem Fluss auf" hieße in Tlön "Hlör u fang axaxaxas mlö", was übersetzt so viel heißt wie "Empor hinter dauerfließen mondet es" (engl. Upward, behind the onstreaming it mooned.). Darüber hinaus leugnen die Bewohner von Tlön die Realität der Welt, indem sie alles Dingliche negieren und behaupten, die Realität sei keine Ansammlung von Objekten, sondern eine unendliche Folge von Ereignissen. Gegen Ende der Geschichte entdeckt Borges, dass Tlön und Uqbar von einer geheimen Gesellschaft konspirativer Intellektueller fabriziert wurden, die plante, die Realität vollständig zu zer- und sie allmählich durch die Tlön-Kultur zu ersetzen.

Als Leser*in könnte man vermuten, dass das Ergebnis von Borges' "Forschung" Teil seiner eigenen Fabrikation ist. Was er uns erzählt, ist ein Beispiel dafür, wie die Fiktion in die Realität drängt. Es ist ein Beweis für die verführerische Magie des Geschichtenerzählens und die Tatsache, dass der menschliche Geist dazu neigt, zugrunde liegende Wahrheiten aufzuspüren und zu enthüllen, zwanghaft nach Zusammenhängen zu suchen, trotz der Gefahr der Paranoia, die damit einhergeht. 

@sebaskoeck

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