süffige Erde :: gebrochener Berg
Leonhard Münch, 2021

Der Kurzfilm “süffige Erde :: gebrochener Berg” beschäftigt sich mit einem Schweizer Bergdorf, das sich in Bewegung befindet. Das zweisprachige Dorf Brienz/Brinzauls (deutsch/rätoromanisch) liegt mitten in einem Erdrutschgebiet. Auf Gesteinsschichten gebaut, deren poröse Massen zu viel Wasser aufnehmen und dadurch ins Rutschen geraten, wächst die Abrisskante des Brienzer Rutsch jährlich um mehr als einen Meter an. Das führt zu landschaftlichen Veränderungen, Erosionen und Steinschlag sowie zu Rissen in Gebäuden und Straßen. Die tektonischen Bewegungen können auch schwerwiegendere Folgen haben, wie etwa nachrutschende Hänge oder gar einen Bergsturz.

›Bist gekommen von weit, bist gekommen hierher ... ‹
Bin ich. Bin ich gekommen wie du.‹ 
›Weiß ich.‹ 
›Weißt du. Weißt du und siehst: Es hat sich die Erde gefaltet einmal und zweimal und dreimal, und hat sich aufgetan in der Mitte, und in der Mitte steht ein Wasser, und das

Wasser ist grün, und das Grüne ist weiß, und das Weiße kommt von noch weiter oben, kommt von den Gletschern, man könnte, aber man solls nicht, sagen, das ist die Sprache, die hier gilt, eine Sprache, nicht für dich und nicht für mich – denn, frag ich, für wen ist sie

denn gedacht, die Erde, nicht für dich, sag ich, ist sie gedacht und nicht für mich –, eine Sprache, je nun, ohne Ich und ohne Du, lauter Er, lauter Es, verstehst du, lauter Sie, und nichts als das.‹« (1)

Dass die „Dinge“ nicht von ganz alleine passieren und unser Handeln und unsere Entscheidungen maßgeblich dazu beitragen wie und wo wir leben, war der Grundgedanke dieses Films.
Der Blick auf ein bedrohtes Dorfgefüge wird zum Ausgangspunkt, um sich in Bezug zu setzen, nachzudenken, unter welchen Bedingungen wir leben und auf welch porösem Untergrund man sich gelegentlich selbst befindet. Entscheidungen werden meist nicht rein rational getroffen, sondern sind an viele Faktoren geknüpft. Es sind Gegebenheiten, wie zum Beispiel dem Wunsch in einer vertrauten Landschaft leben zu wollen, familiären Verbindungen/ Beziehungen Sorge zu tragen oder anderen Verpflichtungen wie der Arbeit nachzugehen, die sogar ein Leben in gefährdeten Gebieten (er)tragbar machen.

Der Kurzfilm “süffige Erde :: gebrochener Berg” verbindet Gespräche im Gebirge mit der Szenerie eines abrutschenden Berges, spürt Konstellationen von Land und Leuten nach, erzählt von Geschichten: von der Reibungsfläche eines durch Technik gestützten Berges und einem Naturereignis, von der Nostalgie einer alpinen Berglandschaft und denjenigen, die sie ihre Heimat nennen.

(1) Paul Celan - Gespräche im Gebirge

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