Sound und so
Felipe dos Santos, 2017

Audiovisuelle Software, technisches Equipment und Soziale Medien ermöglichen es allen Usern, sich ästhetisch, philosophisch, sozial und politisch zu äußern. Man könnte in Folge auch sagen, jeder Mensch kann Kunst machen, Texte verfassen, eine andere Identität vortäuschen, seine Arbeit verbreiten und Werbung dafür machen. Darüber hinaus können die User andere kritisieren, bewerten oder ihnen über Online-Plattformen folgen.

Durch Bedienungsanleitungen und vorgegebene Parameter für Hardware und Software in unserer globalisierten Welt entstehen standardisierte Produktionsverfahren. In der Praxis zeigt sich dadurch oftmals die Tendenz, dass Kunstschaffende, die im gleichen schon definierten Kontext arbeiten, oft einander ähnliche oder verwandte Werke herstellen. Eine Art Konkurrenzdenken zwischen jenen, die neue Möglichkeiten der Technik nutzen, um ihre Kunst zu produzieren, entsteht. Wer seine Kunstarbeit zuerst ins Rampenlicht bringt und sich mit einem Namen "Originalität" sichert, wird wahrscheinlich Erfolg haben.

Gerade im Bereich der Musik stellt sich hier die Frage: Wie kann Musik neu und anders klingen, wenn sie ausschließlich mit vorgefertigten Klang-Bausteinen gemacht wird? Musikgeschichtlich lässt sich zurückverfolgen, dass der technische Fortschritt stets einen Einfuss auf die Musikproduktion hatte: Die Entwicklung des Klaviers zum E-Piano verdeutlicht den Schritt von der Mechanik zur Elektrizität, der Synthesizer den Schritt zur Elektronik und das Clavinova dem zur Digitalisierung. Als „Parasit der Technologie“ kann die Musik sich scheinbar immer wieder erneuern und entwickeln. Musikinstrumente, Effektgeräte und Software, die von vielen Musikern gekauft und verwendet werden, prägen den Klang ihrer Produktionen.

Die Suche nach einem „neuen“, noch nicht vordefinierten Sound, ist der Ausgangspunkt für die Idee, Tools selbst zu erfinden. Durch einen von mir entwickelten Schlagzeuglautsprecher, eine modifizierte Gitarre und verschiedene Arten von Musiksoftware können Klangfelder und tonale Bereiche, die nicht von der Macht des Marktes bzw. der Technologie beeinflusst sind, erforscht werden. 

Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung ist eine Klangmaschine, die im Rahmen dieser Diplomarbeit vorgestellt wird.

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